Die Erde wird hier als kleiner Wassertropfen auf einer Pusteblume dargestellt, die bereits einige Stempel verloren hat. Der Bildhintergrund ist grün.

Nachhaltigkeit im Alltag – ganz ohne Computer

Der Begriff Nachhaltigkeit ist aktuell in aller Munde. Doch was bedeutet das für unseren Alltag? In welchen Bereichen kannst du aktiv werden und was kannst du ändern? Damit setzen wir uns in diesem Beitrag auseinander, definieren den Begriff und seine Anwendungsgebiete.

Nachwachsende Rohstoffe sparen

Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir Rohstoffe nur in dem Maße nutzen wie sie auch zwingend gebraucht werden. Das wiederum hat zur Folge, dass die Generationen der Zukunft auf die gleichen (oder besseren) Bedingungen zurückgreifen können wie wir heute.

Die Definition findet seinen Ursprung im Freiberger Bergbau: Carl von Carlowitz (1645–1714) zufolge sollte ein Wald nur soweit abgeholzt, wie in einer gewissen Zeitspanne natürlich regeneriert werden kann. Er sprach von einer „klugen Art der Waldbewirtschaftung“ und „einer beständigen und nachhaltenden Nutzung des Waldes“, um so die Eigenschaften des Waldes dauerhaft und nachhaltig beizubehalten.1

Dabei spricht man häufig vom Dreieck der Nachhaltigkeit, das die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales abbildet und zugleich deren Ausgewogenheit in den Vordergrund rückt. Denn nur weil der eine Bereich besonders nachhaltig ist, soll der Andere keine (Nachhaltigkeits-) Mangelerscheinungen aufweisen. In diesem Blog betrachten wir vor allem die Umweltbelastungen und inwieweit du selbst aktiv werden kannst.

Was du für die Ökologie tun kannst

Ziel der Nachhaltigkeitsgedanken ist es also, Ressourcen einzusparen. Auch dabei kannst du in deinem Alltag einen Beitrag leisten. Viele Beiträge starten mit den Beispielen Wasser, Strom und Energie sparen sowie Ökostrom nutzen. Das ist auch alles richtig. Doch es gibt noch viel mehr, wenn man Herstellungsprozesse und Lieferketten betrachtet.

Fangen wir mal bei der Ernährung an

Einkaufen von frischen, regionalen und saisonalen Produkten sind ein Baustein – und das am besten unverpackt, denn damit wird zugleich unnötige Verpackung eingespart; diese muss nicht erst über verschiedene chemische Prozesse hergestellt werden, wodurch sich auch der Plastikmüll reduziert. Darauf kannst du nicht nur beim Einkauf von Obst und Gemüse achten, sondern auch bei Brot, Reis, Mehl, ja sogar Waschmittel und Shampoo.

Wie das geht?

In Unverpackt-Läden kannst du deine eigenen Aufbewahrungsdosen mitbringen, Kartons für Waschmittel, alte Tuben mit Shampoo auffüllen oder gleich auf Festseife oder Festshampoo umsteigen. Achte bei diesen Produkten aber auch auf deren Siegel. Denn ein Shampoo oder Seife ist nur dann klimaneutral und umweltfreundich, wenn deren Inhalt frei von chemischen Stoffen und Mikropartikeln ist.
Und ja, in den Unverpacktläden, kannst du dir deine 500g Mehl, Reis, Pasta, kleinere Mengen Gewürze und vieles andere mehr auch in deine Vorratsdosen oder -gläser abfüllen.

Du fragst dich, warum es wichtig ist, auf regionale und saisonale Produkte zu achten?

Oder du beziehst deine Milch und Eier direkt vom Bauern und brauchst nur noch den Eierkarton und deine Milchflaschen mitzubringen. Ist dir der Weg zu weit? Dann schau doch mal auf deinen (regionalen) Wochenmarkt. Du wohnst in einer größeren oder großen Stadt und hast keine Chance zum Bauernhof zu fahren? Kein Problem, die „Marktschwärmer“ kommen auch in deine Nähe. Der Vorteil ist dabei, dass deine Lebensmittel nicht unnötig weite Wege, möglicherweise sogar mit Containerschiffen oder Flugzeugen, zurückgelegt haben. Denn all das verursacht CO² und trägt zur Umweltverschmutzung bei.

Ist das denn noch gut?

Die Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum hat gerade im letzten Monat wieder mediale Welle geschlagen. Zwar heißt es Mindesthaltbarkeitsdatum, umgangssprachlich hat sich aber fälschlicherweise das Verfallsdatum eingebürgert, sodass man nun einen neuen Begriff einsetzen möchte. In Englischen heißt es übrigens ohnehin „Best before“, was nicht heißt, dass es danach ungenießbar wird.

Zudem hat sich insbesondere im letzten Jahr die schweizerische App „Too good to go“ (TGTG: Zu gut zum Wegwerfen) hierzulande einen Namen verschafft. Viele Unternehmen auf lokaler und regionaler Ebene haben sich dem angeschlossen und verkaufen beispielsweise übrig gebliebenes Brot zum reduzierten Preis, damit es nicht weggeschmissen werden muss. (Anm. d. Red. Aktuell gibt es große Kritik an dem löblichen Ansatz: So scheinen Verkäufer:innen den Verkauf per TGTG einzukalkulieren und extra mehr zu produzieren. Auch wird Kritik laut, dass dies die Ursprungspreise erhöht, damit ein Unternehmen am Ende des Tages immer noch Gewinn machen kann.2)

Wiederverwendung hilft der Umwelt

Hieran schließt sich, auch der Punkt der Wiederverwendung. Taschen, Tüte etc. müssen nicht nach einmaliger Nutzung weggeschmissen werden. Mit Kleidung tut man dies schließlich auch nicht. Also Wiederverwerten spart auch Plastikmüll, obgleich die Plastiktüten mittlerweile auch selten geworden sind. Im neuen Jargon hat sich auch Upcycling3 eingebürgert, indem Verpackungsmaterial seinem ursprünglichen Zweck entfremdet und etwas Neues hergestellt wird.

Apropos Kleidung

Wenn dir deine Klamotten nicht mehr gefallen, musst du sie nicht gleich entsorgen. Tauschbörsen, Kleidercontainer, Flohmärkte und Co kennst du. Zudem sind das Rote Kreuz und viele Geflüchtetenunterkünfte dankbar für Kleiderspenden. Aber vielleicht ist auch der „Fairwertung“-Container was für dich? Hier kannst du Klamotten, die nicht mehr ganz perfekt für eine:n weitere:n Nutzer:in sind, einwerfen und daraus werden neue Kleidungsstücke hergestellt. Und beim Einkauf kannst du wiederum auf die Labels: bio, öko oder recycelt achten. Nicht nur Schuhe, sondern auch Pullover oder Poncho werden anteilig aus recycelten Flaschen hergestellt.

Auch der eigene Transport kann Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Das Fahrrad wiederum ist ein vorbildliches Verkehrsmittel, da es auch bei der täglichen Nutzung, keine Umweltverschmutzung verursacht. Kurze Wege müssen nicht mehr mit dem eigenen Auto zurückgelegt werden. Doch auch auf Gemeinschaftstransport zurückzugreifen, ist insbesondere in den kalten Monaten nicht verwerflich. Der öffentliche Verkehr bietet auch hier in den meisten Regionen und Städten eine gute Alternative – ob Bus, Bahn oder Straßenbahn. Am besten sind hier die elektrischen Systeme, wie sie nun auch bei den E-Autos Einzug erhalten. Wer doch ein Auto und etwas mehr Flexibilität benötigt, ist mit dem Car-Sharing gut beraten. Das sind Autos, die von vielen Personen nacheinander genutzt werden. Zwar wird hier immer noch pro Strecke CO² ausgestoßen, aber zumindest, musste nicht für jede:n Nutzer:in ein eigenes Auto hergestellt werden. Zudem gibt es immer noch Mitfahrgelegenheiten, die in einigen anderen Ländern noch viel intensiver genutzt werden. Während die Autobahn in Los Angeles eigene Spuren für „shared Cars“ etabliert hat, auf denen aktuell noch weniger Autos fahren und damit eben auch schneller vorankommen. In Irland hat es sich eingebürgert, dass „Car-sharing-Dienste“ von Privatpersonen mit Aufklebern versehen wurden und an den üblichen Bushaltestellen anhalten dürfen, sodass keine App oder intensive Planung oder Absprache von Fahrer:in und Mitfahrenden nötig ist.

Soziale Nachhaltigkeit

Beim öffentlichen Verkehr spielt auch gleich die soziale Komponente eine Rolle. Wenn die öffentlichen Verkehrsmittel beispielsweise so attraktiv gestaltet werden, dass sie jede:r nutzen kann, ist auch die soziale Schere verkleinert. Als Beispiel sei hier das Wiener Jahresticket erwähnt. Gleiches gilt für die Strompreise. Es hilft nichts, Ökostrom nur teuer anzubieten, sodass es sich nur 10 % der Bevölkerung leisten kann. Dass genau diese Themen immer mehr an Relevanz gewinnen und Fahrt aufnehmen, hat auch der diesjährige Bundeswahlkampf gezeigt. Dem Angebot und der Nachfrage entsprechend zielen die politischen Rahmenbedingungen eben auch darauf ab, nachhaltige und klimapositive Unternehmen und Angebote zu unterstützen – denn auch hier liegt ein enormes Innovationspotential.

Nachhaltige Ökonomie? Gibt es das?

Ja, es kann sie geben: Produktoptimierungen, die bereits in der Entwicklungs- und Herstellungsphase den Maßstab anlegen, um die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten und auch deren Sozialverträglichkeit nicht außer Acht lassen. Dazu zählen eine rohstoffarme und ressourcenschonende Produktion, ein ressourcensparender Einsatz und klimaneutrale Transportwege. Doch es gibt noch mehr Mittel und Wege; wenn nicht nur die kreativen und nachhaltigen Verkaufsideen im Zentrum der Überlegung stehen, sondern das Gesamtgefüge. Das heißt, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung werden ebenfalls beachtet. Einige der Grundideen nachhaltiger Ökonomie sehen und erleben wir schon heute. Dennoch ist sie ausbaufähig.
Anstelle der Shareholder (Anteilseigner) gewinnen immer mehr Stakeholder (Interessensvertreter:innen) Einfluss.4 Neue Konzepte bei der Zusammensetzung von Teams werden betrachtet, da die Blickwinkel möglichst vieler Einzelparteien einen positiven Effekt auf das große Ganze haben – auf ein Produkt und dessen Einsatzgebiet, aber auch auf die Gesellschaft als übergeordnetes Maß. Also beteilige auch du dich und setze dich für die Dinge ein, die dir wichtig sind.

Weitere Tipps und Tricks für den nachhaltigen Alltag im Homeoffice – also doch mit Computer – kannst du in unserem Blogbeitrag „Ressourcensparen im Homeoffice – ohne dich einzuschränken“ nachlesen. Auch da haben wir über den Computerrand hinausgeschaut. ;)

Weiterführende (auch virtuelle) Lektüre:

Unsere Quellen

4 Vgl. BpB-Link aus Fußnote 1